Ein Auto zu viel: Selbst ohne objektiv erkennbare Ursachen wie Unfälle oder Baustellen können ab einer kritischen Verkehrsdichte "Phantomstaus" entstehen, wenn die Verkehrsdichte nur minimal weiter ansteigt. Bremst ein Fahrzeug abrupt, entsteht eine Stauwelle, die sich entgegen der Fahrtrichtung fortpflanzt und bis zum Stillstand der nachfolgenden Fahrzeuge führen kann. Gleiche Phänomene treten auf, wenn viele Fußgänger sich auf begrenztem Raum fortbewegen möchten: Mit zunehmender Zahl nächster Nachbarn wird die individuelle Freiheit mehr und mehr eingeschränkt und von den Nachbarn unabhängige Bewegungen sind kaum mehr möglich.
Auf mikroskopischer Skala begegnet uns das gleiche Problem, wenn in Vielteilchensystemen bei hohen Dichten viele Akteure interagieren müssen, um kollektive Bewegungen zu ermöglichen: Solche Prozesse werden beliebig langsam. Bei thermisch aktivierten Prozessen, etwa dem Fließen von Flüssigkeiten können geringe Temperaturänderungen die Fließfähigkeit derart einschränken, dass ein Fließen nur in sehr langen Zeiträumen beobachtbar ist. In einem 1930 in Brisbane (Australien) gestarteten Experiment konnte das Fließen des augenscheinlichen Feststoffes Pech anhand seither acht gefallener Tropfen beobachtet werden. Beim Glasübergang, einem der nach wie vor nicht vollständig verstandenen Phänomene kondensierter Materie, werden kollektive strukturelle Reorganisationen beliebig langsam und kommen im metastabilen Glaszustand zum Erliegen.
Bei der traditionellen Samstagsuniversität der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät (MNF) der Universität Rostock handelt es sich um eine öffentliche Vortragsreihe der vier Institute der MNF, die sich an alle naturwissenschaftlich Interessierten richtet. Die Themen werden allgemeinverständlich dargestellt und sollen zur Diskussion anregen. Die Vortragsreihe findet an vier Samstagen im Semester um 11 Uhr im Hörsaal 1 des Instituts für Physik statt.


