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Streiflichter aus der Geschichte der Chemie in Rostock
Mit naturkundlichen Problemen und den so genannten praktischen Künsten beschäftigten sich im 16. Jahrhundert die Vertreter der Artistenfakultät, die die sieben freien Künste (Artes liberales) vereinte: Grammatik, Rhetorik und Dialektik (das Trivium) sowie Arithmetik, Geometrie, Astronomie und Musik (das Quadrivium). Sie wirkten in der Regentie "Zum Adler", die nachweislich eine Bibliothek und ein Museum enthielt. Ob auch ein Laboratorium vorhanden war, ist ungewiss. Allerdings ist auffällig, dass drei von den am Lateinischen Platz in geschlossener Reihe befindlichen Regentien (Schwarzer Adler, Einhorn, Roter Löwe) Namen aufweisen, die der alchemistischen Symbolik entnommen und in eben dieser Reihenfolge auch als "Arcana" zur Darstellung des Steins der Weisen geläufig waren.
Joachim Jungius
An der Philosophischen Fakultät, die die Nachfolgerin der Artistenfakultät war, wirkte von 1624 bis 1629 Joachim Jungius. Er wurde am 22.10.1587 in Lübeck geboren. Ab 1609 studierte er Mathematik und Logik an der Universität in Rostock, ab 1608 in Gießen, wo er von 1609 bis 1614 Professor für Mathematik war. 1616 begann Jungius ein Medizinstudium (in Rostock und Gießen) und schloss es mit der Promotion 1619 in Padua ab. Er arbeitete dann als praktischer Arzt in Lübeck, Braunschweig und Wolfenbüttel. Nach seiner Rostocker Zeit war Jungius Rektor und Professor der Naturwissenschaften des Akademischen Gymnasiums "Johannneum" in Hamburg.
Die entscheidende wissenschaftliche Leistung von Jungius besteht in der Konkretisierung der Demokritschen Atomistik. Er definierte das Element auf atomistischer Grundlage, erläuterte die Ursache für die Eigenschaften der Materie durch die Gestalt der Atome sowie durch deren räumliche Anordnung und die Weite und Enge der leeren Räume zwischen den Atomen. Wenn die Gesamtheit der chemischen Verwandlungen auf dem Hinzutreten oder Austreten von Atomen bzw. der Umlagerung des so gebildeten Atomkomplexes beruht, so folgt daraus die Notwendigkeit, dass die Natur des einzelnen Vorgangs nur mit der Waage erkannt werden kann. Jungius war seiner Zeit weit voraus, seine Ideen wurden erst 150 Jahre später wieder aufgegriffen.
Heinrich Friedrich Link
Die Vorläufer der Chemie sind auch an der Medizinischen Fakultät zu finden. Im 17. und 18. Jahrhundert vertraten eine Reihe von Medizinern die Iatrochemie in der Lehre, die Chemie in der Hand des Arztes. Diese Konsolidierung chemischen Gedankenguts im Bereich der Medizin war eine ganz typische Erscheinung der Wissenschaftsentwicklung. Im 18. Jahrhundert stagnierte die Entwicklung der Universität auf Grund von Zwistigkeiten zwischen dem Großherzog und der Stadt, die sogar zu einer Spaltung der Universität führte. Erst 1789 wurden die Streitigkeiten beigelegt. Im Zuge der Wiedervereinigung erhielt die Philosophische (und nicht wie an anderen Universitäten die Medizinische) Fakultät einen Lehrstuhl für Naturgeschichte, Chemie und Botanik, dessen erster Inhaber von 1792 bis 1811 Heinrich Friedrich Link war.
Heinrich Friedrich Link wurde am 2.2.1767 in Hildesheim als Sohn eines Predigers geboren, studierte in Göttingen ab 1786 Medizin, 1789 promovierte er; mit seiner Berufung nach Rostock nahm er eine umfassende Lehrtätigkeit auf, die sich von geologischen Bereichen über Physik und Chemie bis in die Botanik erstreckte. In Physik und Chemie kündigte er erstmalig regelmäßige Experimentalvorlesungen an („chemiam experimentiis illustrandas“). Link ging 1811 nach Breslau, von 1815 bis zu seinem Tod am 1.1.1851 wirkte er in Berlin. Dort leistete er Hervorragendes als Direktor des Botanischen Gartens. Er war einer der Letzten, die praktisch die gesamte Naturlehre ihrer Zeit umfassend beherrschten. Er schloss sich sehr schnell der antiphlogistischen Theorie Lavoisiers an und vertrat damit auch an der Rostocker Universität den Wechsel von der Phlogiston- zur Sauerstoff- Verbrennungstheorie. Er würdigte die Versuche Richters zur Einbeziehung der Mathematik in die Chemie: „Er hat die Chemie in einem ganz neuen Gewande, nach der bekannten mathematischen Lehrart zu bearbeiten angefangen, er sieht Stöchyometrie als einen Theil der angewandten Mathematik an.“ Link forderte bereits 1806 ein chemisches Laboratorium: „Eine Naturaliensammlung darf nicht die erste Anstalt auf einer Universität sein, ein botanischer Garten und ein chemisches Laboratorium müssen ihr sogar vorgezogen werden“ . Der wissenschaftliche Ruf, den sich Link auf allen Gebieten der Naturwissenschaften erworben hatte, führte dazu, dass 1811 seine Professur in die Medizinische Fakultät übertragen wurde.
Nach dem Weggang von Link wurde sein Lehrstuhl in einen Lehrstuhl für Naturgeschichte und Botanik sowie für Chemie und Pharmazie geteilt. 1817 wurde der Lehrstuhl für Chemie und Pharmazie, der eigenständigen Entwicklung der Chemie Rechnung tragend, wieder der Philosophischen Fakultät zugeordnet.
Die Eröffnung des ersten chemischen Labors erfolgte 1834, zu dieser Zeit war Helmuth von Blücher ordentlicher Professor für Chemie und Pharmazie und hatte sich an der Konzipierung des Gebäudes beteiligt, es war aber von Anfang an unzureichend. Das Laborgebäude wurde auch nicht von allen gern gesehen, so wird von der „Besorgniß, daß die Nähe desselben für die academischen Gebäude, namentlich auch für die Carcer und die in denselben etwa inhaftierten Personen nachteilige oder doch unangenehme Folgen herbeiführen könne...“ berichtet!
Helmuth von Blücher
Blücher wurde am 6.8.1805 in Wasdow bei Gnoien geboren. Er erhielt Privatunterricht, war aber auch 1½ Jahre an der Großen Stadtschule in Rostock und besuchte das feudale Gymnasium in Gotha. Später studierte er an den Universitäten Göttingen, Berlin und Rostock Naturwissenschaften und promovierte 1828 mit der Arbeit „Chemische Untersuchung der Solquellen bei Sülze im Großherzogtum Mecklenburg-Schwerin, nebst einer Übersicht der wichtigsten Gebirgsverhältnisse Mecklenburgs und Neu Vorpommerns“. Die dazu notwendigen Untersuchungen nahm er wahrscheinlich in einem Privatlabor vor. 1831 wurde er durch den Großherzog zum außerordentlichen, 1834 zum ordentlichen Professor für Chemie und Pharmazie berufen. Blücher hatte 10 bis 20 Stunden Lehrverpflichtungen pro Woche, die Hörerzahl in den Vorlesungen betrug 10 bis 20, beim Praktikum wurden 6 bis 11 Teilnehmer registriert. Die meisten Hörer waren Medizin- oder Pharmaziestudenten. Im SS 1843 gab erstmals ein Student Chemie als Studienfach an. Blüchers wissenschaftliches Interesse galt vor allem landwirtschaftlichen Problemen. 1850 zog sich Blücher auf sein Rittergut zurück und verstarb dort am 14.10.1862.
Wahrscheinlich war Blücher auch an der Projektierung des „Neuen Museums“ beteiligt, das 1844 eingeweiht wurde und allen naturwissenschaftlichen Fachrichtungen verbesserte Arbeitsmöglichkeiten bot. Das Neue Museum stellte eine sehr zweckmäßige und moderne Zusammenfassung aller naturwissenschaftlichen Einrichtungen dar. Doch es machte sich eine weitere Vergrößerung der Laborfläche notwendig, deshalb wurde 1888 die ehemalige gynäkologische Klinik in ein chemisches Laboratorium umgewandelt.
August Michaelis
Eine Blütezeit erlebte das Chemische Institut unter August Michaelis. Er wurde am 26.12.1847 in Bierberge bei Hannover geboren, nahm das Studium in Göttingen auf und beendete es 1870 mit der Promotion zum Dr. phil. in Jena. 1873 habilitierte er sich in Karlsruhe und wurde dort Privatdozent, dann außerordentlicher Professor. 1880 folgte er dem Ruf als ordentlicher Professor nach Aachen, 1890 nahm er den Ruf nach Rostock an. Rostock konnte es sich leisten, „nur solche Männer zu berücksichtigen, welche sowohl als Lehrer wie Institutsvorstände eines gleich hervorragenden Rufes sich erfreuen“, da ein neues und damals modernes Laboratorium angeboten werden konnte. Michaelis beherrschte das Gesamtgebiet der Chemie mit seltener Souveränität. Auf dem Gebiet der organischen Chemie befasste er sich überwiegend mit solchen Stoffklassen, die anorganische reaktive Gruppen besitzen, aber auch rein anorganische Probleme wurden mit bedeutendem Erfolg bearbeitet.
Sein Hauptarbeitsgebiet waren die aromatischen Phosphorverbindungen (siehe unser Institutslogo). Auf der deutschen Unterrichtsausstellung im Rahmen der Weltausstellung zu Saint Louis 1904 wurden unter den wissenschaftlichen und technischen Präparaten auch das von Michaelis synthetisierte Phosphorsuboxyd sowie unter den organischen Präparaten Phosphine, Cumarone und andere aromatische und heterocyclische Verbindungen von Michaelis und seinen Mitarbeitern R. Stoermer und Kunckell gezeigt. Die heterocyclischen Verbindungen wurden mit einer Goldmedaille für eine Gruppe von 5 Chemikern, darunter Michaelis, gewürdigt. Eine Reihe wertvoller Farbstoffe, seltener Metalle und Rohmaterialien von der Weltausstellung wurden dem Institut als Geschenk überlassen.
Zur Amtszeit von Michaelis gab es 150-170 Studierende der Chemie und Pharmazie, darunter einen beachtlichen Teil Ausländer. Bezüglich des internationalen Rufes der Universität war das chemische Laboratorium der Schwerpunkt geworden. Durch die hohen Studentenzahlen traten die Unzulänglichkeiten des für speziell chemische Arbeiten nicht projektierten Gebäudes immer offener zu Tage, so dass sich Michaelis bereits im Jahr 1897 um bauliche Verbesserungen und Erweiterungen am chemischen Laboratorium beim Schweriner Ministerium für Unterrichtsangelegenheiten bemühte. Michaelis verstarb am 31.1.1916 in Rostock.
Paul Walden
Von 1919 bis 1934 wirkte Paul Walden am Chemischen Institut in Rostock. Walden wurde am 14.7.1863 in Rosenbeck bei Riga geboren und studierte am Polytechnikum in Riga. Dort wurde er Ingenieurchemiker. Sein bedeutendster Lehrer war wohl Wilhelm Ostwald, der nicht nur den Wissenschaftler, sondern auch den Menschen Walden mit all seinen Interessen und Neigungen tief geprägt hat und mit dem Walden ein Leben lang in Verbindung blieb. Walden promovierte 1891 bei Ostwald, legte 1893 in Odessa das russische Magisterexamen ab und folgte 1894 dem Ruf als Professor der Chemie an die Baltische Technische Hochschule in Riga. 1893 hatte er sich bei einem Arbeitsaufenthalt bei Adolf von Baeyer in München gründlich mit der Methodik und Denkweise der klassischen organischen Chemie vertraut gemacht. 1895 beobachtete er eine Konfigurationsumkehr am asymmetrischen Kohlenstoffatom, die bei Substitutionsreaktionen eintreten kann und heute als "Walden-Umkehr" zum Allgemeinwissen eines Chemikers gehört. 1898 erwarb Walden in Petersburg den russischen Doktorgrad mit der Arbeit „Materialien zur Stereochemie“, nach 1899 arbeitete Walden wieder über Elektrolyte. Ab 1910 war er auch Mitglied der Akademie der Wissenschaften und Direktor des Chemischen Laboratoriums zu St. Petersburg. 1915-1918 wurde Walden evakuiert, er hatte aber in Moskau keine Möglichkeit zur experimentellen Betätigung und beschäftigte sich nur literarisch. Bei Kriegsende wurde ihm die Professur in Riga wieder angeboten, er wanderte aber 1919 nach Deutschland aus und kam in das Umsiedlerlager im Schloss Remplin bei Malchin. Dort erreichte ihn der Ruf nach Rostock auf den Lehrstuhl für anorganische Chemie. Die wissenschaftliche Tätigkeit Waldens erstreckte sich vorwiegend auf das Gebiet der Elektrolytlösungen in nichtwässrigen Solventien. Daneben beschäftigte er sich zunehmend mit der Geschichte der Chemie, wobei er in Veröffentlichungen teilweise sehr starke nationalistische Tendenzen zeigte. 1942 wurde bei einem Bombenangriff seine Wohnung mit der großen chemiegeschichtlichen Bibliothek zerstört, Walden ging bis 1947 nach Frankfurt/Main, dann nach Gammertingen in Württemberg. 1947 und 1950-53 hatte Walden trotz seines hohen Alters eine Gastprofessur in Tübingen inne. Paul Walden verstarb am 22.1. 1957.
Günther Rienäcker
Der Zweite Weltkrieg hinterließ auch am Chemischen Institut seine Folgen. Besonders Günther Rienäcker ist es zu verdanken, dass der Studienbetrieb schnell wieder aufgenommen werden konnte.
Günther Rienäcker wurde am 13.5.1904 in Bremen geboren und starb am 13.06.1989 in Berlin. Er studierte und promovierte in München und habilitierte sich in Freiburg. Nach kurzer Dozententätigkeit wurde er als planmäßiger außerordentlicher Professor nach Göttingen berufen. In seinen wissenschaftlichen Arbeiten widmete er sich der heterogenen Katalyse metallischer Legierungen. Von 1942 bis 1953 leitete er das Chemische Institut in Rostock. 1945 wurde er zum ersten Rektor der wiedereröffneten Universität gewählt. Gemeinsam mit Wolfgang Langenbeck gründete er das erste europäische Institut für Katalyseforschung. 1954 folgte Rienäcker einem Ruf an die Humboldt-Universität Berlin, leitete dort das Chemische Institut und später das Institut für Anorganische Katalyseforschung. Viele Jahre wirkte er als Generalsekretär der Akademie der Wissenschaften der DDR.
1950 bis heute
Bis 1955 war die Rostocker Chemie organisatorisch in ein Chemisches Institut mit den Abteilungen Anorganische, Organische und Pharmazeutische Chemie sowie in ein Physikalisch-Chemisches Institut aufgegliedert. Ab 1955 gab es die Fachrichtung Chemie mit den entsprechenden vier Instituten.
Auf den Lehrstuhl für Organische Chemie war 1953 Helmut Zinner (geb. 21.3.1921) aus Jena berufen worden, der diesen bis zu seiner Emeritierung 1986 innehatte. Zinner entwickelte eine leistungsfähige und international anerkannte Kohlenhydratchemie mit reger Publikationstätigkeit und einer erheblichen Anzahl von Diplomanden und Doktoranden. Noch heute ist die Rostocker Kohlenhydratchemie eng mit dem Namen Zinner verbunden.
In der Physikalischen Chemie wurde 1954 Ullrich von Weber (5.5.1908-3.7.1986) berufen, der bis zu seiner Emeritierung 1973 dort wirkte und das bis heute charakteristische Forschungsprofil - zwischenmolekulare Wechselwirkungen und darauf bezogene Stoffdaten - sehr erfolgreich begründete. „UvW“ war ein äußerst origineller und umfassend gebildeter Forscher und sicher für Spezialisten ein sehr anregender Lehrer. Die Grundvorlesung erschloss sich allerdings erst mit einigen Mühen.
Nach dem Weggang Rienäckers folgte 1955 Günter Schott (29.4.1921-20.08.85) aus Leipzig. Schott begründete in Rostock die Silicium-Chemie. Er war um die Entwicklung der Chemie sehr bemüht. Mehrere Neubauprojekte, teilweise bis zur letzten Steckdose projektiert, sind seiner Initiative zu verdanken. Er nahm auch wesentlichen Einfluss auf die Entwicklung des Lehrkörpers. Er war 1956 der erste Chemiker in der DDR und, soweit bekannt, auch in Deutschland, der eine sehr moderne - und vor allem verständliche - Vorlesung „Valenzlehre“ hielt.
Eine Zäsur in der Entwicklung war die 3. Hochschulreform 1968/69. Parallel zu den 68er Ereignissen an den westdeutschen und westeuropäischen Universitäten erfolgte auch in der DDR die Abschaffung der Ordinarienuniversität. Diesem Aspekt wurde eine gewisse Sympathie entgegengebracht, obwohl klar war, dass es nicht um Demokratisierung, sondern um eine verstärkte Einflussnahme von Staat und Partei ging. Es wurden an Stelle von Instituten Sektionen gegründet, zur Sektion Chemie gehörten 5 Professoren, 3 Dozenten, 38 wissenschaftliche Mitarbeiter und 27 technische Angestellte. Die Sektion gliederte sich in so genannten Fachbereiche (später Wissenschaftsbereiche): Anorganische, Organische, Physikalische, Analytische, Technische Chemie sowie die von der Landwirtschaftlichen Fakultät übernommene Landwirtschaftliche Chemie und die von der Philosophischen Fakultät herausgelöste Chemiemethodik. Später wurden die Analytische und Technische Chemie zum Wissenschaftsbereich Angewandte Chemie vereinigt und die Landwirtschaftliche Chemie wurde in die Organische Chemie einbezogen.
Die materiellen Bedingungen waren in den Jahren nach der 3. Hochschulreform schlecht. Neubaupläne wurden auch zu dieser Zeit nicht realisiert. So wurde auch der 100. Jahrestag der Übernahme des Chemischen Instituts in der Buchbinderstr. noch an diesem Ort begangen. Eine Laborbaracke, die immer nur eine Provisorium gewesen war, musste mit komplizierten Ausnahmegenehmigungen betrieben werden. Als einziger Neubau wurde der Pavillonanbau für das NMR-Gerät verwirklicht. Die verfügbaren Investmittel bewegten sich an der unteren Grenze des Existenzminimums. Die Arbeitsbedingungen erforderten ein hohes Maß an Enthusiasmus, das die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aufbrachten. Das führte dazu, dass man sich der Gesamtleistung in Lehre und Forschung in den 20 Jahren Sektionsgeschichte nicht zu schämen braucht.
1992 erfolgte entsprechend der fachlichen und politischen Eignung die Übernahme eines Teils der Mitarbeiter. Auch die Professoren mussten sich einer fachlichen Prüfung und einer Prüfung vor der Ehrenkommission unterziehen. Einige Dozenten wurden zum Professor berufen. Mit der Übernahme der eigenen Mitarbeiter war auch die Übernahme der Mitarbeiter der Pädagogischen Hochschule Güstrow verbunden, die aufgelöst wurde. Der Fachbereich (so heisst die Sektion wieder) gliedert sich seit 1992 in die Abteilung für Organische Chemie, die Abteilung für Anorganische Chemie, die Abteilung für Analytische, Technische und Umweltchemie, die Abteilung für Physikalische Chemie sowie die Abteilung für Didaktik der Chemie.
Neben 13 Hochschullehrern wirken in Lehre und Forschung ca. 100 wissenschaftliche und 40 nichtwissenschaftliche MitarbeiterInnen. Außerdem werden Projektstellen und Stipendien an Promovierende aus dem In- und Ausland vergeben. Die Studentenzahlen durchliefen wie an allen Fachbereichen Chemie der Bundesrepublik im letzten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts ein Tief, sie sind aber wieder im Steigen begriffen. Seit 2000 haben wir konstante Studentenzahlen von ca. 60-80 für das Fach Chemie und ca. 30-40 für Lehramt Chemie.
Die materiellen Voraussetzungen sind in den ersten Jahren nach der Wende wesentlich günstiger geworden. Die Ausstattung mit Geräten zur Strukturanalyse ist heute auf einem zeitgemäßen Stand. Die Bibliotheksausstattung wurde deutlich verbessert. Aber auch heute zwingen knappe Gelder, über Sparmaßnahmen nachzudenken.
Im Dezember 1997 haben sich die räumlichen Bedingungen durch die Fertigstellung eines Laborcontainers weiter verbessert. Bereits im April 1992 waren dem Fachbereich Teile der 1987-1992 von der Akademie der Landwirtschaft genutzten Fachschule für Veterinärmedizin zur Nutzung übergeben worden. 2001 konnten die Abteilungen Organische, Anorganische und Technische Chemie ein ganz neues Gebäude mit sehr guten Arbeitsbedingungen beziehen. Mit dem Wintersemester 2002/03 steht nun auch ein modernes Lehrgebäude mit Hörsälen und Seminarräumen zur Verfügung.
Literatur
- Schott, G.: Zur Geschichte der Chemie an der Universität Rostock (bis 1945). In: Wiss. Z. der Universität Rostock 18 (1969). Nr. 8. S. 981 ff.
- Fischer, E.; Kelling, H.; Kibbel, H. U.; Uhle, K.: Die Entwicklung der Fachrichtung Chemie an der Universität Rostock nach deren Wiedereröffnung 1946 und die Gründung der Sektion Chemie. In: Wiss. Z. der Univ. Rostock 18 (1969). Nr. 8. S. 1019 ff.
- Wandt, B.; Kibbel, H. U.; Uhle, K.: Helmuth von Blücher, Professor der Chemie und Pharmazie an der Universität Rostock von 1831 bis 1850. In: Wiss. Z. der Univ. 31 (1982). Nr. 5. S. 15 ff.
- Uhle, K.: Zur Geschichte des „Seminargebäudes“ auf dem Hof des Hauptgebäudes der Wilhelm-Pieck-Universität. In: Wiss. Z. der Univ.Rostock 34 (1985). Nr. 9. S. 12 ff.
- Uhle, K.: Paul Walden zum 125. Geburtstag. In: Wiss. Z. der Univ. Rostock 39 (1990). Nr. 7. S. 3 ff.
- Guntau, M.: Chemische Ideen im wissenschaftlichen Werk von Heinrich Friedrich Link (1767-1851). In: Beiträge zur Geschichte der Wilhelm- Pieck- Universität Rostock, Rostock, 1989, S. 71 ff.
- /7/ Lorenz, A. F.: Die Universitätsgebäude zu Rostock und ihre Geschichte. Rostock: Verlag G. B. Leopolds Universitätsbuchhandlung. 1919
- Wirth, U.: Anmerkungen zu einigen gesellschaftspolitischen Haltungen des Chemiehistorikers Paul Walden (1863-1957). In: NTM- Schriftenr. Gesch. Naturwiss., Technik, Med., Leipzig, 20 (1983) 2, S. 39-49
- Teller, J., Teller, M.: Zur wissenschaftlichen Leistung und gesellschaftlichen Position von August Michaelis (1847-1916) unter besonderer Berücksichtigung seiner Rostocker Schaffensperiode. In: Beiträge zur Geschichte der Wilhelm- Pieck- Universität Rostock, Rostock, 1984, S. 27 - 41
Die Fotos wurden aus der zitierten Literatur bzw. der Fotosammlung des Fachbereiches übernommen.
Der Text wurde von Frau Dr. G. Boeck 2002 erstellt und 2009 aktualisiert.
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